10 Tipps die Auftraggeber bei der App Entwicklung beachten sollten

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Sie spielen mit dem Gedanken ein App-Projekt zu starten oder stehen bereits am Anfang? Dann sollten Sie die unteren Punkte lesen und prüfen, ob Sie sie in Ihre Überlegungen mit einbezogen haben.

1) Im Fokus steht der Nutzer

… und bei mehreren Millionen verfügbaren Apps ist das auch absolut notwendig. Denn nur mit einer guten Idee, einem großen Nutzen und dem entsprechenden Alleinstellungsmerkmal, kann sich Ihre App aus der Masse an Apps abheben. Zusätzlich kommt hinzu, dass Nutzer die Messlatte für Design und Usability mittlerweile sehr hoch ansetzen. Das zeigt, dass diese beiden Aspekte unter keinen Umständen vernachlässigt werden dürfen.

Es führt kein Weg daran vorbei, einfache, selbsterklärende und intuitive Apps zu entwickeln. In manchen Fällen ist die Entwicklung mehrerer fokussierter Apps ratsam, anstelle eines großen Funktionsmonsters (Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel „App Unbundling – Der Weg zu schlanken, fokussierten Apps“). 

Nicht vergessen sollte man auch die wachsende Nutzergruppe an älteren Personen und Personen mit Einschränkungen, für die Smartphones und Tablets einen einfachen Zugang zur Informationstechnologie darstellen. Da diese Zielgruppen besondere Anforderungen an die verwendeten Systeme haben, sollten Schriftvergrößerung, Kontrastanpassungen oder der Zugriff mittels Screenreader ermöglicht werden.

2) Nicht alles ist auch erlaubt

Apps werden über die durch die Anbieter der Betriebssysteme verwalteten App Stores vertrieben. Diese Stores stellen eine lange Liste an Regeln auf, an die wir uns bei der App Entwicklung auch halten müssen. Andernfalls laufen wir Gefahr, mit unserer App wieder aus dem Store zu fliegen. So gibt es Richtlinien dafür, welche Inhalte mittels App transportiert werden dürfen, wie Zahlungen abgewickelt werden müssen/dürfen, bis hin zu erhöhten Anforderungen, wenn Apps als „für Kinder geeignet“ gekennzeichnet werden sollen, usw.

Es empfiehlt sich also dringend nach Erstellung der Grundidee und in jedem Fall vor der Entwicklung der App, einen Blick in die Richtlinien zu werfen:

3) Mehrere Plattformen = Mehr Aufwand

Mehrere Plattformen bedeuten mehr Aufwand klingt zunächst absolut logisch, da bei nativer Entwicklung die App für jede Plattform (Betriebssysteme iOS, Android, Windows Phone, …) einzeln entwickelt werden muss. Abhilfe könnte hier die Hybrid-Entwicklung liefern. Aber diese Rechnung geht leider nicht immer auf.

Betrachten wir für ein genaueres Verständnis die einzelnen Phasen eines Projekts:

  • Ideenfindung:
    Die Grundidee unserer App ist von Plattform und Technologie unabhängig, sollte aber die Möglichkeiten und Einschränkungen dieser nicht ganz außer Acht lassen
  • Konzept:
    Bei der Konzeption der App müssen wir uns um Workflows, Nutzerinterkationen und den Aufbau der App kümmern. Hier ist es wichtig, sich an den Paradigmen und Möglichkeiten der einzelnen Plattformen zu orientieren. Insofern bedarf es unter Umständen separater Anpassungen und Erweiterungen des Basiskonzepts für jede einzelne Plattform.
  • Design:
    Die Grundlagen des Designs sind über Plattformen hinweg ident, allerdings müssen für die unterschiedlichen User-Interfaces der einzelnen Plattformen und den damit verbundenen Eigenheiten bzw. unterschiedlichen UI-Elementen auch unterschiedliche Designs erstellt werden.
  • Entwicklung:
    Erfolgt die App Entwicklung nativ, muss mit dem vollen Aufwand je Plattform gerechnet werden. Bei Hybrid-Ansätzen ist der Aufwand zwar nur einmal zu rechnen, dennoch fallen Optimierungen und Sonderanpassungen pro Plattform an. (Siehe dazu auch: Web-Apps vs. native Apps)
  • Testen:
    Beim Testen müssen wir immer den vollen Aufwand je Plattform rechnen - unabhängig davon, mit welcher Technologie entwickelt wurde. Denn auf jeder Plattform muss die App mit mehreren Geräten und Displayauflösungen getestet werden. (Siehe dazu auch: Aufwand beim Testen von Apps)
  • Wartung/Betreuung:
    Alle Betriebssysteme werden stetig weiterentwickelt. Wird eine neue Version mit mehreren Änderungen veröffentlicht, muss die App auf dieser zumindest getestet und eventuell auch angepasst werden. Auch der Aufbau der App Store Einträge und die Store Richtlinien können sich ändern. So entstehen unabhängig von der gewählten Umsetzungstechnologie immer Aufwände pro Plattform.

4) Die richtige Technologie wählen

Die Entscheidung der Technologie sollte, wenn möglich immer am Ende der Konzeptionsphase stehen, da eine sinnvolle Wahl stark von den geplanten Funktionen und den Rahmenbedingungen des Projekts abhängt. Jede technologische Entscheidung sollte in Bezug auf initialen Aufwand, zukünftige Betreuung und vor allem auch Zukunftssicherheit hin beurteilt werden.

Sobald die Speicherung von Nutzerdaten, Anbindung von externen Datenquellen oder komplexe Datenverarbeitung im Spiel sind, wird die App Unterstützung einer Serverkomponente benötigen. Ziel sollte es dann sein, die Businesslogik der App ins Backend zu verfrachten. So kann die App zentral erstellt und gewartet und muss nicht für jede Plattform individuell umgesetzt werden. Das spart nicht nur Aufwand, sondern vermeidet vor allem unbeabsichtigte Differenzen zwischen den einzelnen Plattformen und minimiert damit das Fehlerpotential.

5) Externe Dienste können Geld kosten

Viele Services die heute bereits alltäglich sind – Kartendienste, Routing, Analytics, usw. - stehen in ihren Basisversionen kostenfrei zu Verfügung. Kostenfrei bedeutet aber nicht immer kostenlos, denn viele dieser Dienste sind oft nur bis zu einer definierten Grenze an Usern, Anfragen, Aktionen, o.ä. kostenlos. Ab dann können Lizenzkosten anfallen.

Der Entwickler hat dabei meist selbst dafür Sorge zu tragen, die entsprechenden Lizenzen zu erwerben. Daher sollte beim Einsatz externer Services immer eine Nutzungsprognose erstellt werden, die bei der Auswahl der benötigten Dienste als Kriterium für sofort oder auch später anfallende Kosten miteinfließen.

6) Die Content-Falle

Apps werden gerne als Softwareprodukte abgestempelt. Der damit verbundene Aufwand wird vor allem in der eigentlichen Programmierung gesehen. Dieser Eindruck täuscht, denn tatsächlich machen Konzeption und Inhaltserstellung meist einen sehr großen, wenn nicht sogar den größten Teil des Aufwandes aus.

Rechnen Sie als Auftraggeber also damit, dass auch jemand die App „zum Leben erwecken“ und, insofern Inhalte nicht durch Nutzer oder automatisiert generiert werden, Content bereit stellen muss.

Hinzu kommt, dass Hilfetexte oder FAQs oft auf die einzelnen Plattformen zugeschnitten werden müssen, da diese entweder spezifische Vorgänge beschreiben oder individuelle Begrifflichkeiten verwenden. So kann es vorkommen, dass der eine oder andere Text schon mal in mehreren Versionen vorliegen muss.

7) Testen ist zeitintensiv – auch für den Auftraggeber

Das Testen einer App ist zeitintensiv und Bedarf der richtigen Ausstattung. Während bei iOS durch das Monopol von Apple die Variation an verschiedenen Geräten und Betriebssystemversionen noch halbwegs überschaubar ist, ändert sich das bei Android & Co drastisch. Es gibt Hunderte von Geräten mit unterschiedlichen Betriebssystemversionen, Auflösungen, Displaygrößen und Leistungs- bzw. Ausstattungsmerkmalen. So sollte die App in jedem Fall auf einem repräsentativen Set an Geräten getestet werden. Existiert neben einer Smartphone- auch eine Tablet- oder sogar Smartwatch-Variante, kommen diese Geräteklassen noch einmal zusätzlich hinzu.

Während das Testen der App auf den unterschiedlichen Geräten noch ein Einfaches ist, ist das bei Anbindung von Drittsystemen und eigenen Backends schon etwas komplexer. Testroutinen und entsprechende Testsysteme helfen, Situationen gezielt nachzustellen und Fehlerfälle zu simulieren.

Zu guter Letzt sollte man dann noch beachten, dass ein Smartphone auch einmal offline sein kann oder eben eine sehr instabile bzw. langsame Internetverbindung hat. Ist die App auf eine Onlineverbindung angewiesen, sind auch solche Situationen zu simulieren.

8) Apps müssen durchs Review

Apps können nicht einfach im App Store veröffentlicht werden. So müssen sich diese einerseits an die Store-Richtlinien halten und andererseits zumindest bei Apple fix durch ein manuelles Review, bei dem Mitarbeiter des Unternehmens die App entsprechend dieser Richtlinien prüfen. Apple gibt für dieses Review eine Dauer von ca. 2 Wochen an (in der Praxis eher 3-4 Tage), garantiert aber auch keine Durchlaufzeiten. Dabei ist besonders zu beachten, dass jede neue Version der App (nach Ablehnung oder bei einem Update) diesen Prozess von vorne startet.

Bei Android sind Apps sofort im Store ersichtlich. Aber Achtung, auch hier laufen automatisierte Prozesse im Hintergrund, die die App grundlegend prüfen. So wird zum Beispiel bei Verwendung von fremden Markennamen oder -logos (ohne schriftliche Vorankündigung der eigenen Rechte dies zu tun) die App aufgrund von Markenrechtsverletzungen abgelehnt. Dann gibt es nur den Weg diesen Fall über ein Supportformular zu beanstanden. Wartezeiten von 2-3 Wochen sind dabei keine Seltenheit. (Siehe dazu auch: Markenrecht in Apps)

9) Einen App-Relaunch gezielt planen

Als Auftraggeber einer App, sollten Sie von Beginn an eine Vorstellung der Weiterentwicklung haben. Denn je höher die Nutzerbasis, desto schwieriger wird es zu einem späteren Zeitpunkt einen kompletten Relaunch der App durchzuführen. Einerseits gewöhnen sich Nutzer an Bedienkonzepte und Aussehen, andererseits vor allem an die gebotenen Funktionen. Bei einem Relaunch einfach bestehende Funktionen zu entfernen oder bewährtes über Bord zu werfen, endet oft in einem rapiden Verfall der Store-Bewertungen.

Daher gilt es bei der App Entwicklung „Regel Nr. 1“ zu beachten: Entfernen Sie niemals ohne triftigen Grund (wie zum Beispiel schlechte Nutzungszahlen des Features) oder ohne Ersatz anzubieten, einzelne Funktionen aus einer bestehenden App. Und vor allem: Kümmern Sie sich um die Datenmigration. Es gibt nichts Schlimmeres für den Nutzer, als wenn mühsam eingegebene Daten nach einem App-Update verschwunden sind oder vor dem Entfernen einer Funktion nicht exportiert bzw. migriert werden können.

10) Apps „am Leben erhalten“ bedeutet Aufwand

Wie ziemlich alles in der IT sind auch Apps und die mobilen Betriebssysteme ein sich stetig weiterentwickelndes Ökosystem. Eine App entwickeln und dann als erledigt abstempeln ist also keine gute Idee:

  • Erstens wird es Fehler geben, die erst im laufenden Betrieb auffallen und schnellstmöglich behoben werden müssen.
  • Zweitens wird Nutzerfeedback eintrudeln, das beachtet werden sollte.
  • Und Drittens muss die App sich an die sich ändernden Anforderungen von Betriebssystemen und App Stores anpassen.

Regelmäßige Wartung und Updates der App sind daher unerlässlich. Aktuell ist es zumindest bei iOS und Android so eingespielt, dass die Hersteller einmal im Jahr (rund um den September) ein großes Major-Release für das Betriebssystem veröffentlichen. Das bedeutet, dass zumindest dieses Datum als Fixpunkt für das Testen und Aktualisieren der App an die neue Betriebssystemversion einzuplanen ist.

Weiterführender Lesetipp: 

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