10 Tipps, die Auftraggeber bei der App-Entwicklung beachten sollten
Sie planen eine neue App oder möchten eine bestehende Anwendung weiterentwickeln? Dann lohnt es sich, einige grundlegende Fragen zu klären, bevor Design und Entwicklung starten. Denn erfolgreiche App-Entwicklung beginnt lange vor der ersten Codezeile – bei Nutzer*innen, Architektur, Plattformen, Sicherheit, Inhalten und einem realistischen Blick auf den gesamten Produktlebenszyklus.
Worauf kommt es bei erfolgreicher App-Entwicklung an?
Eine erfolgreiche App braucht einen klaren Nutzen, eine durchdachte User Experience und eine technische Architektur, die zu den Anforderungen des Produkts passt. Plattformwahl, Barrierefreiheit, Sicherheit, Testing, App-Store-Vorgaben und laufende Wartung sollten von Beginn an mitgedacht werden. So lassen sich spätere Kosten, technische Sackgassen und unnötige Reibungsverluste vermeiden.
1) Die Nutzer*innen in den Mittelpunkt stellen
Das Angebot an Apps ist riesig. Umso wichtiger ist ein klarer Nutzen für die Menschen, die eine App tatsächlich verwenden sollen. Eine gute Idee allein reicht nicht: Bedienung, Design und Funktionen müssen zu den Bedürfnissen und Nutzungssituationen der Zielgruppe passen.
An einfachen, verständlichen und intuitiven Anwendungen führt deshalb kaum ein Weg vorbei. Dabei ist mehr Funktionalität nicht automatisch besser. In manchen Fällen ist eine fokussierte App mit wenigen gut gelösten Aufgaben sinnvoller als eine Anwendung, die möglichst viele Funktionen gleichzeitig abbilden möchte.
Barrierefreiheit sollte ebenfalls von Beginn an Teil von Konzeption, Design, Entwicklung und Testing sein. Dazu gehören unter anderem ausreichende Kontraste, skalierbare Schriftgrößen, verständliche Bedienabläufe und die Unterstützung assistiver Technologien wie Screenreader.
Je nach Anwendung kommen zusätzlich regulatorische Vorgaben hinzu. Seit dem 28. Juni 2025 gelten mit dem European Accessibility Act und dem österreichischen Barrierefreiheitsgesetz (BaFG) verbindliche Barrierefreiheitsanforderungen für bestimmte Produkte und Dienstleistungen.
2) App-Store-Regeln frühzeitig berücksichtigen
Apple App Store und Google Play sind weiterhin die wichtigsten Vertriebswege für mobile Apps. Wer dort veröffentlichen möchte, muss die jeweiligen Richtlinien berücksichtigen – und zwar am besten bereits während der Konzeption.
Die Vorgaben betreffen unter anderem Inhalte, Datenschutz, Berechtigungen, Payments, technische Funktionen, Store-Metadaten und bestimmte Zielgruppen. Welche Regeln konkret gelten, hängt dabei von Plattform, Region und Geschäftsmodell ab.
Eine Funktion erst fertig zu entwickeln und anschließend festzustellen, dass sie unter den vorgesehenen Bedingungen nicht veröffentlicht werden kann, ist unnötig teuer. Deshalb sollten die aktuellen Store-Richtlinien bereits vor der Umsetzung geprüft und während des Projekts regelmäßig berücksichtigt werden.
Weiterführende Informationen:
- App Store Review Guidelines von Apple: https://developer.apple.com/app-store/review/
- Google Play Developer Policies: https://play.google.com/about/developer-content-policy/
3) Mehrere Plattformen bedeuten zusätzlichen Aufwand
Eine App für iOS und Android bedeutet zusätzlichen Aufwand – unabhängig davon, ob sie nativ oder mit einem Cross-Platform-Ansatz entwickelt wird. Moderne Frameworks ermöglichen zwar, Teile des Codes gemeinsam zu nutzen. Plattformabhängige Anforderungen bei UX, Systemfunktionen, Integrationen, Testing und Veröffentlichung bleiben jedoch bestehen.
- Ideenfindung:
Die Grundidee einer App ist weitgehend technologieunabhängig. Trotzdem sollten bereits in dieser Phase die Möglichkeiten und Grenzen der später relevanten Plattformen berücksichtigt werden. - Konzept:
Bei der Konzeption geht es um Nutzerführung, Workflows, Interaktionen und Informationsarchitektur. iOS und Android folgen teilweise unterschiedlichen Plattformkonventionen. Ein gutes Basiskonzept muss deshalb gegebenenfalls für die jeweilige Plattform angepasst werden. - Design:
Marke, visuelle Grundidee und zentrale UX-Prinzipien können plattformübergreifend definiert werden. Bedienelemente, Navigation und einzelne Interaktionsmuster sollten sich dennoch sinnvoll an den jeweiligen Plattformstandards orientieren. - Entwicklung:
Bei nativer Entwicklung werden iOS und Android weitgehend separat umgesetzt. Cross-Platform-Technologien können gemeinsam genutzten Code ermöglichen und dadurch Entwicklungsaufwand reduzieren. Plattformabhängige Funktionen, Integrationen und Optimierungen bleiben dennoch notwendig. - Testen:
Jede unterstützte Plattform muss zuverlässig getestet werden. Unterschiedliche Geräte, Betriebssystemversionen, Displaygrößen und technische Rahmenbedingungen können zu unterschiedlichem Verhalten führen. (Siehe dazu auch: Aufwand beim Testen von Apps) - Wartung und Betreuung:
Auch nach dem Launch entwickeln sich Betriebssysteme, SDKs, Drittanbieter-Komponenten und Store-Anforderungen laufend weiter. Unabhängig von der gewählten Technologie entsteht daher langfristig Wartungsaufwand für jede unterstützte Plattform.
4) Technologie, Architektur und Sicherheit gemeinsam betrachten
Die Wahl der Technologie sollte sich aus Produktanforderungen und Rahmenbedingungen ergeben – nicht umgekehrt. Wichtige Kriterien sind unter anderem Funktionsumfang, Performance, Wartbarkeit, vorhandene Systeme, zukünftige Erweiterbarkeit und langfristige Betriebskosten.
Sobald eine App Daten verarbeitet, externe Systeme integriert oder komplexere Geschäftslogik abbildet, spielt auch die Backend-Architektur eine zentrale Rolle. Welche Logik im Backend und welche direkt in der App umgesetzt wird, hängt unter anderem von Sicherheit, Performance, Offline-Fähigkeit, Wartbarkeit und den benötigten Plattformfunktionen ab.
Eine klar strukturierte Architektur erleichtert es, Funktionen konsistent weiterzuentwickeln und Fehlerquellen zu reduzieren.
Auch Sicherheit und Datenschutz gehören bereits in diese Entscheidungen. Dazu zählen beispielsweise sichere Authentifizierung, der Schutz sensibler Daten, sichere Kommunikation mit Backend-Systemen, Berechtigungskonzepte sowie ein sorgfältiger Umgang mit SDKs und Drittservices. Bei Anwendungen in regulierten Bereichen müssen zusätzlich branchenspezifische und regulatorische Anforderungen berücksichtigt werden.
5) Externe Dienste frühzeitig prüfen
Kaum eine moderne App kommt vollständig ohne externe Dienste aus. Karten, Routing, Analytics, Authentifizierung, Payment, Messaging oder andere spezialisierte Services können Entwicklungszeit sparen und Funktionen ermöglichen, die nicht sinnvoll selbst gebaut werden müssen.
Dabei sollte jedoch nicht nur auf den Einstiegspreis geschaut werden. Viele Dienste sind bis zu bestimmten Nutzungsgrenzen kostenlos und werden erst bei steigenden Zugriffen, Nutzerzahlen oder Transaktionen kostenpflichtig.
Ebenso wichtig sind Datenschutz, Datenstandort, Verfügbarkeit, Schnittstellen, Support und mögliche Abhängigkeiten vom jeweiligen Anbieter. Gerade bei langfristig betriebenen Apps kann ein späterer Wechsel eines zentralen Drittservices erhebliche technische und organisatorische Auswirkungen haben.
Deshalb lohnt es sich, schon bei der Auswahl zu prüfen, wie sich Kosten und Abhängigkeiten entwickeln, wenn die App erfolgreich wächst.
6) Content ist Teil des Produkts
Der Aufwand eines App-Projekts endet nicht bei Design und Programmierung. Texte, Bilder, Hilfestellungen, Übersetzungen, rechtliche Informationen, Store-Metadaten und laufende Content-Pflege müssen ebenfalls geplant werden.
Gerade bei umfangreicheren Anwendungen stellt sich früh die Frage, wer Inhalte erstellt, aktualisiert und freigibt. Je nach Produkt kann dafür ein Content-Management-System sinnvoll sein.
Auch Hilfetexte, Fehlermeldungen oder FAQs müssen zur tatsächlichen Nutzerführung passen. Wie stark sich Inhalte zwischen iOS und Android unterscheiden müssen, hängt von Plattformkonventionen und technischer Umsetzung ab.
Content sollte deshalb nicht erst kurz vor dem Launch zum Thema werden. Verantwortlichkeiten, Freigabeprozesse und Pflege sollten bereits während der Konzeption definiert sein.
7) Testing gehört von Anfang an eingeplant
Eine App zuverlässig zu testen braucht Zeit, passende Testumgebungen und ein realistisches Geräteset. Besonders im Android-Umfeld gibt es zahlreiche Gerätevarianten mit unterschiedlichen Betriebssystemversionen, Bildschirmgrößen und technischen Eigenschaften.
Kommen Tablet-, Smartwatch- oder weitere Gerätevarianten hinzu, steigt der Testumfang entsprechend.
Komplexer wird es zusätzlich, wenn eine App mit Backends und Drittsystemen kommuniziert. Testsysteme und reproduzierbare Testdaten helfen dabei, Fehlerfälle gezielt nachzustellen.
Auch reale Nutzungssituationen gehören dazu: Was passiert bei langsamer Internetverbindung? Wie verhält sich die App offline? Was geschieht, wenn ein angebundenes System vorübergehend nicht erreichbar ist?
Neben manuellen Tests auf realen Geräten spielen automatisierte Unit-, Integrations- und UI-Tests eine wichtige Rolle. Sie können in Build- und Deployment-Prozesse integriert werden und helfen, Regressionen frühzeitig zu erkennen. Je nach Anwendung kommen zusätzlich Security-, Accessibility- und Performance-Tests hinzu.
8) App-Store-Review in die Releaseplanung einbauen
Vor der Veröffentlichung prüfen Apple und Google Apps beziehungsweise Updates auf die Einhaltung ihrer jeweiligen Richtlinien. Deshalb sollten technische Anforderungen, Datenschutz, Inhalte, Berechtigungen, Payments und Store-Metadaten bereits während der Entwicklung berücksichtigt werden.
Apple gibt aktuell an, mindestens 50 Prozent der Einreichungen innerhalb von 24 Stunden und 90 Prozent innerhalb von 48 Stunden zu prüfen. Bei komplexen Apps oder zusätzlichen Prüfungen kann es länger dauern.
Auch Google Play führt Reviews durch. Für bestimmte Developer Accounts können Prüfungen laut Google bis zu sieben Tage dauern, in Ausnahmefällen auch länger.
Ein geplanter Veröffentlichungstermin sollte daher nie davon abhängen, dass ein Review im schnellstmöglichen Fall abgeschlossen wird. Zeit für Rückfragen, notwendige Anpassungen oder eine erneute Einreichung gehört in eine realistische Releaseplanung.
9) Einen App-Relaunch gezielt planen
Eine App sollte von Beginn an als Produkt verstanden werden, das sich weiterentwickelt. Je größer die Nutzer:innenbasis wird, desto wichtiger ist ein sorgfältiger Umgang mit größeren Änderungen.
Menschen gewöhnen sich an Bedienabläufe, Funktionen und Inhalte. Ein Relaunch sollte deshalb nicht nur aus gestalterischer oder technischer Sicht geplant werden, sondern auch anhand des tatsächlichen Nutzerverhaltens.
Funktionen sollten weder automatisch übernommen noch allein deshalb entfernt werden, weil ein neues Konzept übersichtlicher wirkt. Nutzungsdaten, Kundenfeedback, technischer Aufwand und strategische Relevanz helfen bei der Entscheidung, welche Funktionen erhalten, verändert oder eingestellt werden.
Werden etablierte Funktionen entfernt oder Abläufe wesentlich verändert, sind transparente Kommunikation und gegebenenfalls geeignete Ersatzlösungen wichtig.
Besonders kritisch ist die Datenmigration. Persönliche Einstellungen, gespeicherte Inhalte oder andere relevante Nutzerdaten sollten bei einem Update nicht unerwartet verloren gehen.
10) Eine App braucht laufende Weiterentwicklung
Mit dem ersten Release beginnt der eigentliche Lebenszyklus einer App.
Im laufenden Betrieb treten neue Anforderungen auf:
- Fehler werden sichtbar und müssen behoben werden.
- Nutzer:innen geben Feedback.
- Neue Geräte und Betriebssystemversionen erscheinen.
- APIs und Drittsysteme ändern sich.
- SDKs und Libraries müssen aktualisiert werden.
- Store-Richtlinien werden angepasst.
- Sicherheitsanforderungen entwickeln sich weiter.
- Neue regulatorische Anforderungen können hinzukommen.
Regelmäßige Wartung, Tests und Updates sind deshalb Teil eines professionellen App-Betriebs. Betriebssysteme, SDKs, Drittanbieter-Bibliotheken und App-Store-Anforderungen ändern sich laufend. Eine App sollte daher kontinuierlich auf Sicherheit, Kompatibilität und technische Zukunftsfähigkeit geprüft werden.
Eine erfolgreiche App ist kein abgeschlossenes IT-Projekt. Sie ist ein digitales Produkt, das über Jahre gepflegt, weiterentwickelt und an neue Anforderungen angepasst werden muss.